Zum „Internationalen Jahr der Freiwilligen für nachhaltige Entwicklung“ der UN wollen Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft neue Wege der Zusammenarbeit finden
Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (Lagfa Brandenburg) und das Brandenburger Landesnetzwerk für bürgerschaftliches Engagement luden am 15. Juni 2026 Akteure aus Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft zum strategischen Vernetzungstreffen ins Haus der Natur in der Landeshauptstadt ein.
Vor dem Hintergrund der vielfachen Belastung der Zivilgesellschaft durch Kürzungen, Angriffe und steigende Bedarfe betonten alle Akteure die Notwendigkeit von sektorenübergreifenden Kooperationen und neuen Wegen der Zusammenarbeit.
Erfolgreiche Beispiele dafür finden sich bereits vielerorts. So beweist das Projekt „Open Streets“ aus Zeuthen, wie effektive Zusammenarbeit mit der Verwaltung kurzzeitige Begegnungsorte auf den Straßen und Plätzen schaffen und dabei den bürokratischen Aufwand minimieren kann. Die Brandenburger Ehrenamtskarte ist ein wirksames Beispiel für Unternehmen, um mit Rabatten Engagement vor Ort anzuerkennen und zu unterstützen.
„Engagement ist der Garant für den Erhalt der freiheitlichen Ordnung“ beschrieb der Politikwissenschaftler Dr. Serge Embacher die zentrale Rolle der Zivilgesellschaft. Einigkeit herrschte in der Diskussion aber darüber, dass diese Rolle nicht deutlich genug vermittelt wird.
Viele Teilnehmende wünschten sich ein Demokratiefördergesetz, um Investitionen in die Zivilgesellschaft zu verankern und damit auch den Wert des Engagements für den Staat anzuerkennen.
Gleichzeitig dürfe der Zivilgesellschaft keine Verantwortung für die Daseinsvorsorge übertragen werden. Das gelte auch insbesondere für den ländlichen Raum, wo teils sogar der Nahverkehr durch Bürgerbusse geregelt werde, warnte Björn Schreiber, Geschäftsführer des Landesjugendrings.
Niedrigschwellige Begegnungsmöglichkeiten, sogenannte Dritte Orte, fehlten zu oft. Hier plädierte André Koch-Engelmann, Geschäftsführer von UPJ, für eine engere Kooperation mit Unternehmern vor Ort, um leerstehende Büro- und Geschäftsräume für Engagement zu öffnen.
Als großes Hindernis für Innovationen im Engagement wurde die Bürokratie hervorgehoben. Hier könnten Reformen, zum Beispiel im Steuer- und Baurecht, auf allen politischen Ebenen sehr wirksam sein.
Stefanie Lenz von der Lagfa Brandenburg beschrieb den gestiegenen Bedarf an Schutzstrukturen für Engagierte. Auch Freiwilligenagenturen setzten wichtige Grenzen in der Vermittlung von Engagements und stärkten gleichzeitig die Netzwerke vor Ort.
Die Teilnehmenden blickten mit großer Sorge auf die staatlichen Kürzungen im sozialen Bereich. Dies brächte eine „dreifache Tragik des Hauptamtes“ mit sich, da dies zu einer Zeit geschehe, in der der Bedarf an Unterstützung in der Gesellschaft besonders hoch ist. Gleichzeitig gibt es auch zunehmend politische und tätliche Angriffe auf die Strukturen, die das Engagement fördern und schützen.
Anlass für die Veranstaltung war das Themenjahr der Vereinten Nationen. „Das Internationale Jahr der Freiwilligen für nachhaltige Entwicklung 2026 ist ein Aufruf an die UN-Mitgliedsstaaten, Freiwilligenarbeit zu einem integralen Bestandteil ihrer Entwicklungspfade zu machen, um die globalen Ziele voranzutreiben – und eine Anerkennung der Tatsache, dass wir nur durch gemeinsames Handeln und Solidarität die Kraft aufbringen können, die Herausforderungen anzugehen, die uns alle betreffen“, so Achim Steiner, Leiter des UN-Entwicklungsprogramms.
Das Landesnetzwerk für Bürgerschaftliches Engagement im Land Brandenburg ist ein unabhängiger Zusammenschluss von Organisationen aus Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Es versteht sich als Sprachrohr der Engagierten im Land Brandenburg und verfolgt das Ziel, Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement sichtbar zu machen und zu stärken.
Freiwilligenagenturen sind Knotenpunkte im bürgerschaftlichen Engagement. Sie vermitteln Freiwillige in passende Ehrenämter und arbeiten aktiv daran, das Engagement für alle zu öffnen. Die Lagfa Brandenburg ist ein Zusammenschluss von 23 Freiwilligenagenturen im Land Brandenburg. Sie fördert eine offene und engagierte Bürgergesellschaft und gibt dem freiwilligen Engagement eine Stimme. Die Geschäftsstelle der Lagfa Brandenburg wird seit 2020 von der Staatskanzlei Brandenburg gefördert. Die Lagfa befindet sich in Trägerschaft der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal.
Kontakt:
Lagfa Brandenburg
Stefanie Lenz (Geschäftsführerin
Mobil: 0177/7560720

